Es war einmal, vor nicht allzu langer Zeit, die Geschichte vom Geben und Nehmen… ich bin ein Mensch, der ständig versucht, es anderen recht zu machen. Beziehungsweise geht es mir dabei gar nicht darum, es ihnen recht zu machen, sondern eher darum, Freude zu machen, zu helfen und für jemanden da zu sein. Für mich ist es selbstverständlich, da zu sein. Immer. Jemand hat gerade zu wenig Geld einstecken, um sich etwas Bestimmtes zu kaufen? Ich borge oder kaufe es ihm/ihr. Jemand schreibt Bewerbungen und braucht Hilfe beim nochmal drüber lesen? Ich lese nochmal drüber. Jemand hat absolut keine Zeit, müsste aber wichtige Arbeiten erledigen? Ich erledige die Arbeiten. Jemandem geht es nicht gut? Dann geht es mir auch nicht gut. Vor allem dann, wenn ich nicht helfen kann. Ich zerbreche mir ständig den Kopf, wie ich vielleicht doch noch helfen könnte. Man kann es in einem Satz zusammenfassen: ich mache mein persönliches Wohlbefinden sehr stark vom Wohlbefinden anderer abhängig.

Wenn Fordern permanent wird…

Haben andere Menschen diese Eigenschaft erst mal bemerkt, dann beginnen viele damit, unbewusst zu fordern. Permanent. Dabei meinen sie es wahrscheinlich oft gar nicht böse und vielen fällt es gar nicht erst auf, da sie selbst einfach Nein sagen können, wenn sie etwas nicht tun möchten. Diese Forderungen sind oft nur kleine Dinge, aber ein Mensch, der nicht Nein sagen kann, sagt halt stattdessen zu allem Ja. Steht man dann vor einem riesengroß angehäuften Ja-Berg, bekommt man – auch als ewiger Ja-Sager – langsam das Gefühl, ausgenutzt zu werden. Denn kaum etwas kratzt so sehr am Selbstwertgefühl, wie der Umgang mit Personen, die Taten und Gefühle nicht erwidern. Neben den Menschen, die dies gar nicht absichtlich machen, gibt es aber natürlich auch jene, die diese Eigenschaft bewusst und ungeniert ausnutzen. Das Wort „Danke“ kommt ihnen nur selten über die Lippen.

Vom ständigen Geben…

Ständiges Geben lässt uns, gegenüber der Art von Menschen, die immer nur nimmt, schwach aussehen. Auch wenn ich es vielleicht nicht wahrhaben will, ich bin mir ziemlich sicher, dass einige Menschen diese Eigenschaft an mir ausnutzen. Schuld daran bin ich aber eigentlich eh nur selbst, das weiß ich. Aber so bin ich eben. Was ich aber tue, um nicht zur Dauer-Heiligen oder zum Mädchen für alle(s) zu werden? Ich achte mehr darauf, nur denen zu geben, die es auch wirklich verdienen.

Geben und Nehmen

Das kann nicht funktionieren…

Ich kenne Menschen, die nur nehmen, das Wort „Geben“ scheint in ihrem Wortschatz nicht auf. Solche Menschen sind quasi wie eine Einbahnstraße. Wird eine Beziehung mit so einer Person, ganz egal auf welcher Ebene, funktionieren? Nein.  Haben diese Menschen verdient, dass man sich, entschuldigt den Ausdruck, den Arsch für sie aufreißt? Nein.  So ein Verhältnis macht müde und deprimiert. Hast du schon einmal gefühlt ALLES für eine Person getan, die dann am Ende einfach langsam aber sicher aus deinem Leben verschwunden ist? Und wie viele verrückte Dinge hast du schon für jemanden gemacht, der dich dann am Ende doch nur enttäuscht hat? Wie viel Zeit hast du schon für jemanden investiert, der sich für dich nicht eine Minute genommen hat? Ich glaube, dass sich in den letzten Zeilen sehrwohl einige wiedererkennen. Die Augen aufzumachen fällt uns schwer, aber es ist manchmal einfach notwendig, zuerst an sich selbst und dann erst an die anderen zu denken.

Du musst aufhören Ozeane für Menschen zu überqueren,
die für dich nicht mal über eine Pfütze springen würden.

 

Es ist in Ordnung…

Es ist in Ordnung, an sich selbst zu denken, ich weiß zwar noch nicht genau, wie das geht, aber ich arbeite daran. Ich versuche, mein eigenes Wohlbefinden öfter in den Vordergrund zu stellen. Ich versuche, auf mein Bauchgefühl zu hören und keine Ausreden für das egoistische (seien wir uns ehrlich, es ist egoistisch, nichts anderes) Verhalten anderer Leute zu finden. Versteht mich nicht falsch, es ist in vielen Fällen ein wunderbares Gefühl, zu geben, ohne etwas dafür zu bekommen, ich nenne mal den Freiwilligendienst bei der Rettung als bestes Beispiel. Es gibt aber eben auch Situationen, oft geht es dabei um viel banalere Dinge, in denen es einfach nur schön wäre, auch mal etwas (zurückzu)bekommen, ohne darum zu bitten. Jeder Mensch hat Bedürfnisse und darauf sollte ein jeder achten. Der Beitrag ist ziemlich wirr geschrieben, ich hoffe ihr versteht aber trotzdem, was ich damit sagen will. Vielleicht spreche ich dem ein oder anderen damit aus der Seele. Anbei noch ein Song, der dieses Thema mit seinem Text sehr gut aufgreift, wie ich finde..

 

Du brauchst nur ruafn, waßt ganz genau, dass i kumm. Auf ana Stufen warn wir zwa nie, war dumm,
so dumm zu glauben, dass du a kummst, wenn i schrei, nur deine Augen sehn für an Zweiten ned gnua weit.

 

Zuletzt noch eine kurze Anmerkung: ich muss mir selbst eingestehen, dass ich manchmal ganz bewusst alles für Personen mache, weil ich Angst habe, dass sie mich sonst quasi vergessen. Ich will diesen Menschen damit zeigen, dass sie mir nicht egal sind und dass ich sie schätze. Klar würde ich mir manchmal nur einen winzigen Funken Aufmerksamkeit zurück wünschen. Das ganze ist aber natürlich sowieso total dumm, denn Menschen, die auch gerne Zeit mit mir verbringen, würden mir vermutlich nie das Gefühl geben, in irgendeiner Form auf mich selbst aufmerksam machen zu müssen. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.