„Scheiß di amoi ned au“ – so der Spruch auf meinem Pullover, den ich mir vor unserem Südtirol-Reiseantritt bei Gscheade Leibal ausgesucht habe. Gleichzeitig ist es wohl DER Satz unseres Ausflugs zu den Drei Zinnen. Warum? Das erfahrt ihr im Laufe dieses Beitrages. Doch alles von Anfang an: am zweiten Tag unserer Reise ging es für uns zu den Drei Zinnen, eines der beliebtesten Ausflugsziele Südtirols. Die Ansicht der steilen Nordwände gehört zu den bekanntesten Landschaftsbildern der Alpen und gilt als Wahrzeichen der Dolomiten. Während des Gebirgskriegs im Ersten Weltkrieg waren die Drei Zinnen und ihre Umgebung als Teil der Front zwischen Italien und Österreich-Ungarn heftig umkämpft. Die Linie Paternkofel–Paternsattel–Drei Zinnen–Forcella Col di Mezzo stellte damals die Staatsgrenze, sowie die Frontlinie dar. Seit 2009 sind die Drei Zinnen Teil des UNESCO Weltnaturerbes. So startete unser Ausflug zu den …

Wir fuhren von Vierschach in Richtung Toblach und dann durch das Höhlensteintal, Richtung Dürrensee und Misurina. Angekommen am Misurina See biegt man links ab und erreicht nach etwa drei Kilometern den Schranken, bei dem Maut bezahlt werden muss. Die Maut beträgt 30 Euro pro PKW. Am Ende der Höhenstraße, nach etwa sieben Kilometern, erreicht man den großen Parkplatz bei der Auronzohütte, die auf 2320 m liegt und den Ausgangspunkt für die Rundwanderung darstellt.

 

Drei Zinnen Umrundung

Wir starteten unsere Wanderung entlang des Schotterweges Nr. 101, welcher bis zur anderen Seite der Drei Zinnen führt. Nach etwa 15 Minuten Gehzeit erreichten wir die Cappella degli Alpini und gleich danach die Lavaredohütte, die in der Vorsaison noch geschlossen hatte. Von der Lavaredohütte aus kann man dann entweder links auf einen steileren Weg abbiegen, der unter die Kleine Zinne führt oder sich, so wie wir, für den etwas längeren Schotterweg zum Paternsattel entscheiden. Als dort am Weg ein Wanderer plötzlich seine Trompete ausgepackt und begonnen hat, „Amazing Grace“ zu spielen, fühlten wir uns wie mitten im Film, Gänsehautfeeling pur!

Nach ca. 35 Minuten Gehzeit erreichten wir den Paternsattel. Dort sieht man, neben unzähligen Menschen, die Fotos machen, die klassische Form der Drei Zinnen, dem Wahrzeichen der Südtiroler Dolomiten. Die „klassische Form“ ist übrigens die Nordseite der Zinnen und nicht umsonst wird dieser Teil der Strecke „Photopoint“ bezeichnet, denn hier zeigen sich die Kleine Zinne, die Große Zinne und die Westliche Zinne in ihrer vollen Pracht. Die Zinnen waren teilweise im Nebel versteckt, was aber nicht gestört hat, da das Bild, das sich einem dort bietet, einfach atemberaubend ist. Blickt man vom Sattel Richtung Norden, erkennt man bereits die Dreizinnenhütte. Natürlich haben auch wir Fotos gemacht, so ein Naturspektakel sieht man schließlich nicht jeden Tag. Nach dem Fotografieren ging es weiter zur Dreizinnenhütte. Wir haben etwas länger gebraucht, da wir einige rutschige Schneefelder überqueren mussten und wir nicht das passende Schuhwerk dafür hatten. Zum Glück sind wir aber alle heil bei den Felsstufen, die rauf zur Dreizinnenhütte führen, angekommen.

 

Scheiss di amoi ned au

Bei den Stufen zur Dreizinnenhütte hat unser kleines Abenteuer begonnen. Denn der Himmel, der vorher noch blau und voller Sonnenschein gestrahlt hat, hatte sich innerhalb kürzester Zeit in ein schwarzes Wolkenmeer verwandelt und wir haben es schon donnern gehört. Eigentlich wollten wir in die Hütte rauf und das Wetter vorbei ziehen lassen und erst dann weiter gehen. Die Hütte hatte aber geschlossen. Wir überlegten also: trotzdem dort warten oder so schnell wie möglich zurück zum Parkplatz gehen? Der Weg zurück zur Auronzohütte war mit 1,2 Stunden Gehzeit angeschrieben. Wir haben uns dann, so wie die meisten anderen Wanderer, für den Rückweg entschieden. Den Wiesenboden überquerten wir im Laufschritt, danach haben wir den kurzen aber sehr steilen Aufstieg hinauf zum Karstplateau der Langen Alm überwunden. Mittlerweile hatte es zu regnen begonnen und das Gewitter war direkt über uns.

 

Am Weg zur Langen Alm

Man hat gemerkt, dass alle Wanderer nervös geworden sind, noch nie habe ich Menschen so schnell in die gleiche Richtung wandern gesehen. Jeder wollte zurück zum Auto und nicht während eines Wolkenbruches mitten in den Bergen stehen. Bei der Überquerung der Langen Alm hat es einmal unweit entfernt geblitzt, ich als Gewitter-Hasser war dadurch natürlich etwas (sehr extrem) verängstigt. Nach ungefähr 45 Minuten Gehzeit haben wir endlich die Lange Alm Hütte erreicht, die ebenfalls zu hatte. Wir haben uns dort, gemeinsam mit vielen anderen, unter dem Dachvorsprung der Hütte untergestellt. Während wir von dort aus dabei zugesehen haben, wie das Gewitter über uns herzieht, kam dann die Aussage: „Nathalie, jetzt passt der Spruch auf deinem Pullover genau!“  Mittlerweile waren wir alle nass, einerseits wegen dem andauernden Regen, andererseits waren wir durch das rasche Gehen natürlich komplett verschwitzt und dann mussten wir auch noch einen, nicht allzu kleinen, Schmelzwasserbach überqueren. Kein „Bacherl“, es war wirklich ein Bach. Mit nassen Füßen haben wir dann erst mal eine halbe Stunde gewartet, bis das Gewitter halbwegs vorbei war. Der Regen hat uns allerdings bis zum Ende unserer Tour begleitet.

 

Ende in Sicht

Nach der kurzen Pause ging es zügig weiter in Richtung Ausgangspunkt, der Weg war mit weiteren 40 Minuten Gehzeit angeschrieben. Vorbei an den Zinnenseen, in denen sich die Nordwände der Drei Zinnen spiegeln, gingen wir am Weg Nr. 105 zum Nordwestrücken des Zinnenkopfes hinauf und entlang der Schutthalden hinüber zur Forcella del Col de Mezo. Hinter der Scharte wanderten wir entlang des Hanges bis zur Auronzohütte zurück und beendeten dort unser Abenteuer. Die Umrundung war mit vier Stunden Gehzeit angeschrieben. Wir haben viele Fotos gemacht und uns eine halbe Stunde untergestellt und waren nach knapp vier Stunden wieder zurück beim Parkplatz. Die klassische Umrundung der Drei Zinnen über Lavaredohütte, Dreizinnenhütte und Lange Alm ist eine beeindruckende Wanderung mit wenig Höhenunterschied, da man schon auf 2320 m startet. Die Wanderung hat mir sehr gut gefallen, obwohl das Wetter nicht ganz mitgespielt hat.

 

 

Schlusswort

Die Wanderung um die Drei Zinnen war definitiv eine der schönsten, wenn nicht DIE schönste Wanderung, die ich jemals gemacht habe. Ich muss natürlich schon sagen, dass die Drei Zinnen, vor allem wegen ihrer sehr einfachen Erreichbarkeit, ein Massentourismus-Ziel sind. Aber dennoch: das Gefühl, dort oben zu stehen und auf die Zinnen zu blicken, lässt sich eigentlich kaum in Worte fassen. Man denkt nicht an irgendwelche alltägliche Probleme, das Gedankenkarussell, das täglich seine Runden in unseren Köpfen dreht, bleibt plötzlich stehen. Woran man stattdessen denkt, kann ich eigentlich gar nicht wirklich sagen. Vielleicht an gar nichts, vielleicht genießt man einfach? Oder stellt man sich einfach nur die Frage, wie eine Landschaft so unglaublich schön sein kann? Also ich für meinen Teil, kann behaupten, dass ich so etwas schönes selten gesehen habe. Hätte das Wetter nicht verrückt gespielt, wäre es natürlich noch schöner gewesen. Doch so können wir auf ein kleines Abenteuer zurückblicken. Diese Tour vergesse ich bestimmt nie!

You are not in the mountains, the mountains are in you.