Lästern – wir alle tun es. Manche mehr, manche weniger. Egal ob über den Nachbarn, die Lehrerin, Bekannte, Kollegen, Prominente… sich über andere zu unterhalten verbindet Menschen anscheinend. Eigentlich total krank, wenn man genau darüber nachdenkt, oder? Ich sag es am besten gleich: ich kann mich selbst nicht ausnehmen, natürlich lästere auch ich manchmal. Ich kann aber zum Glück behaupten, dass ich weiß, wo sich die Grenze befindet. Der Grat ist schmal, denn mischt sich der Tratsch mit Unwahrheiten und Gerüchten, so wird aus dem herkömmlichen Alltagsklatsch schnell gehässiges Lästern.

Was vergessen wir dabei?

Woran denkt man während dem Lästern nicht? Eigentlich sagen wir mit dem dauernden Tratschen doch nur, dass wir viel zu feige sind, um anderen unsere Meinung direkt zu sagen. Redet man über die Angelegenheiten und Schwächen anderer, lenkt das meist von den eigenen Fehlern ab. Ob man dadurch glücklich wird? Ich denke nicht. Doch lassen wir das Lästern jetzt mal Lästern sein. Viel schlimmer ist nämlich das Verbreiten von Gerüchten.

Geschichten erfinden und Gerüchte in die Welt setzen ist wesentlich schlimmer als „normales“ Tratschen. Schlimm ist auch, dass wir Menschen anscheinend zu denken aufgehört haben. Wir glauben alles, was wir hören. Wir erzählen Dinge, die wir nicht gesehen haben und denken dabei nicht daran, dass man anderen Menschen damit schadet, sie kränkt, verärgert oder verletzt. Denn (ob man es glaubt oder nicht) irgendwann erreichen (meistens schneller als gedacht) alle Gerüchte die eigentlichen Betroffenen. Dabei würde es oft nur ein paar Minuten dauern, um zu klären, ob hinter dem Gerücht eigentlich ein Funke Wahrheit steckt. Wie? Naja, indem man den oder die Betroffenen einfach fragt. In Zeiten von Smartphones, Facebook und Co. ist das schnelle Kontaktaufnehmen mit anderen wirklich keine Schwierigkeit mehr. Wir müssen schließlich keine Rauchzeichen machen oder Brieftauben senden und auf Antwort warten. Eine einfache WhatsApp-Nachricht würde genügen. Aber nein, machen wir nicht. Weil der Cousin zweiten Grades einer Freundin der Schwester meines ehemaligen Schulfreundes hat es, als Sonne und Mond im Einklang standen, ja selbst gesehen. Das muss also stimmen! Gut, das ist ein bisschen überzogen, aber ganz so weit hergeholt ist dieses Beispiel leider nicht mal.  Wir hören A, verstehen B und erzählen C.

Don’t spread with your mouth what your eyes didn’t see.

 

Gerüchte? Nein, danke.

Das Verbreiten von Gerüchten ist nicht nur kindisch, sondern auch extrem unnötig und das schlimmste daran ist ja, dass sie in den meisten Fällen gar nicht wahr sind. Sie schaden den Betroffenen und meistens sogar noch vielen anderen Menschen, ohne dass diejenigen irgendetwas falsch gemacht haben. Da unsere Gesellschaft leicht manipulierbar ist, verfestigen sich Gerüchte schnell in den Köpfen. Man kann als Betroffener eine Geschichten noch so oft berichtigen, ein Funken Zweifel wird immer in den Köpfen bleiben und das Gerücht wird so schnell nicht vergessen werden. Genau das habe ich zu Beginn des Beitrags mit „Ich weiß, wo die Grenze ist.“ gemeint. Lästere ich kurz über eine Person, dann ist das zwar auch total unnötig und blöd, aber die Person wird dadurch keine direkten Folgen spüren. Setze ich aber Gerüchte in die Welt – obwohl ich in Wahrheit keine Ahnung habe – und schaffe ich es, diese in Rekordzeit zu verbreiten, sodass sie überall dort angelangen, wo sie Schaden verursachen, dann ist besagte Grenze meiner Meinung nach überschritten.

If it’s not your story to tell, don’t tell it.

Wir können eines nicht abstreiten: die meisten von uns sind (sehr) leicht beeinflussbar. Wir denken subjektiv und treffen oft Entscheidungen, die wir später vielleicht bereuen. Wir rufen lieber sofort die beste Freundin an, um ihr die neuesten Erkenntnisse brühwarm aufzutischen, anstatt ein paar Dinge vorweg abzuklären. Oder noch besser: anstatt einfach gar nichts zu tun. Ob man es glaubt oder nicht, man kann auch Dinge erfahren und einfach weiterleben, ohne dass man sie sofort weitererzählen muss. Macht das Sinn? Wer erzählt es? Wem bringt das Erzählte einen Nutzen und schadet es eigentlich irgendjemandem? Das sind Fragen, die man sich stellen sollte, bevor man gehörten Dingen Glauben schenkt und diese womöglich sogar weitererzählt.

Vor der eigenen Türe kehren

Starten wir doch alle mal einen Selbstversuch. Wenn uns Person X mal wieder Breaking News über Person Y erzählt, gehen wir zur Abwechslung nicht darauf ein, sondern fragen uns stattdessen mal still für uns selbst: wieso beschäftigt sich Person X überhaupt so intensiv mit dem Leben von Person Y? Hat Person X keine eigenen Sorgen? Ist das Leben von Person X wirklich so langweilig, dass sie über das Leben von Person Y reden muss? Leben und leben lassen, meine lieben Freunde der brodelnden Gerüchteküche.

Geheimtipp: je besser wir von anderen sprechen, desto besser wird man über uns reden. Außerdem ist es eine Frage der Fairness und Reife, andere wissen zu lassen, woran sie sind. Noch viel besser wäre es natürlich, wir lassen unsere Nasen überhaupt komplett in unseren eigenen Angelegenheiten, anstatt sie ständig in die der anderen zu stecken. Und eines dürfen wir nicht vergessen:  wenn jeder vor seiner eigenen Türe kehren würde, dann wäre die Welt ein sehr sauberer Ort.