Ich muss zugeben: ich war nie Festival-Fan. Die Vorstellung, einige Tage lang Katzenwäsche, Campen und dann noch in Menschenmassen stehen (die ebenfalls nur Katzenwäsche machen), fand ich nicht sehr prickelnd. Finde ich jetzt zwar auch noch nicht prickelnd, aber irgendwann hat sich der Gegner-Schalter, warum auch immer, umgelegt. Ich habe mir den Punkt „ein Festival besuchen“ sogar auf meine to-do-in-my-twenties-list gesetzt. Als ich das Line-Up des Frequency gesehen habe, war es um mich geschehen. Dort MUSS ich hin! Gesagt, getan. Wobei, so schnell ist es nicht gegangen, ich habe den Ticketkauf ewig rausgezögert. Vielleicht habe ich Glück und gewinne bei einem der 423 Gewinnspiele, bei denen ich mitgemacht habe – so mein Gedankengang, haha. Im Endeffekt habe ich mir dann, ein paar Tage bevor die Karten komplett ausverkauft waren, endlich mein Ticket geholt. Natürlich wollte ich nicht alleine gehen, zum Glück konnte ich meine Freundin Anna davon überzeugen, mitzukommen.

Unvorbereitet sein? Was ist das?!

An dieser Stelle werden mich die Urgestein-Festival-Besucher jetzt auslachen, aber ich bin nun mal ein Organisationstalent. Ich habe mir im Vorhinein eine Packliste geschrieben, genauso wie vor meinen Reisen, habe ich auch für das Festival eine übersichtliche Liste erstellt. Das Erstellen der Liste ist so ausgeartet, dass ich danach selbst lachen musste. Ich habe ALLES, wirklich ALLES aufgeschrieben. „Sollte es passieren, dass ich trotz dieser Liste irgendetwas vergesse, dann verstehe ich die Welt nicht mehr“, habe ich mir gedacht, als ich die Liste ausgedruckt und nochmal schmunzelnd durchgelesen habe. Meine Freundin Anna hat auch eine Liste erstellt (in normalem Umfang), wir haben uns getroffen und unsere beiden Listen zu DER ULTIMATIVEN Festival-Packliste zusammengefasst. Ob ich diese PDF-Datei hier am Blog jemals veröffentliche, muss ich mir noch gut überlegen, haha.

Zur Info: bis hierher habe ich diesen Beitrag schon vor dem Festival Besuch verfasst. Mal sehen, wie und ob mir der Besuch gefallen hat.
Jetzt folgt nämlich meine nach-dem-Festival-Berichterstattung.


Beschreibe das Frequency mit einem Wort

REIDIG! Und zwar so richtig. Ich weiß nicht, was ekelhafter war. Der Campingplatz, die Dixi Klos oder der Uringeruch im Bühnenbereich. Na gut, ich weiß es eigentlich schon. Die Klos waren mit Abstand das Schlimmste. Wie gesagt, es war mein erstes Festival aber ich bin ja trotzdem nicht auf der Nudelsuppe daher geschwommen. Ich wusste im Vorhinein, worauf ich mich beim Campen einlasse. Und trotzdem habe ich mich dann, als es so weit war, bemühen müssen, nicht direkt mitten in die Klos zu kotzen, es war einfach nur ekelhaft. Ich belasse es mit dem WC-Thema dabei, ich möchte es einfach verdrängen und so behandeln, als wäre es nie passiert, haha. Mit dem Wetter hatten wir einerseits Glück, es hat nicht einmal geregnet. Den eh schon grindigen Campingplatz dann auch noch im Schlamm zu erleben, stell ich mir nicht leiwand vor. Jedoch waren 35 Grad im Schatten natürlich auch nicht unbedingt ideal. Am Anreisetag am Campingplatz angekommen, habe ich schon so geschwitzt, wie nie zuvor. Wir hatten alle unsere Sachen, sprich Tasche, Zelt, Luftmatratze und Verpflegung mit und mussten damit mal gefühlt durch halb St. Pölten laufen, um beim Campingplatz anzukommen. Mit dem Platz hatten wir ziemliches Glück, wir waren nicht allzu weit von den Bühnen entfernt und direkt neben einer der beiden Brücken über die Traisen, die eigens fürs Frequency aufgestellt wurden. Außerdem hatten wir Klos unweit von uns entfernt, was gut und gleichzeitig sehr schlecht war, da es den Geruch je nach Windrichtung schön bis zu unseren Zelten getragen hat.

Frequency Fesitval


Frequency, was fällt mir noch ein?

Für 0,5 l Mineralwasser zahlt man 4, bzw. 5 Euro mit Becherpfand, was meiner Meinung nach eine Frechheit ist. Bier hat übrigens gleich viel gekostet. Und ja, es gab zwar irgendwo Trinkwasser, dies war aber nirgends angeschrieben. Eh klar, die Veranstalter hätten ja sonst vielleicht ein bissl weniger Geld verdient. Es gab verschiedenste Essens-Angebote, die waren auch relativ teuer, unter 8 Euro gab es wenig, die Portionen waren auch eher klein. Während der 4 Tage bin ich einmal vom Gelände weggegangen und habe gesehen, wo überall Zelte aufgestellt wurden. Ich sag es euch, es ist abnormal. Die Leute campen gefühlt kilometerweit entfernt vom Gelände! Leute reisen an, nur um außerhalb zu Campen, Tickets fürs Festival haben sie nicht. Ich verstehe nicht, was in den Köpfen dieser Menschen vorgeht. Wie kann man sich freiwillig so etwas antun, ich bin scheinbar einfach zu reinlich und/oder zu alt fürs Festival-Campen. Worauf hätte ich die Tage nicht verzichten können? Desinfektionstücher! EN MASSE! Die 50-Stück Packung war übrigens am Sonntag Nachmittag schon komplett leer. Ich habe den Samstag ausgesetzt, da ich auf einer Hochzeit war. Ohne diese Pause und das dazugehörige Duschen, wäre ich vermutlich vor Ekel vor mir selbst gestorben.

… ja, ich poste Fotos von Füßen, direkt unter Fotos von Essen – because I can, haha.


Let’s talk about „securities“…

Die „Securities“ am Frequency waren total unfähig. Ich setze dieses Wort bewusst unter Anführungszeichen, da es sich in 99 % aller Fälle in meinen Augen um Studenten gehandelt hat, die sich so ein kleines Taschengeld verdienen. Schon beim Hinfahren wurden wir an ca. zehn verschiedenen Plätzen von ca. zehn verschiedenen Securities immer wieder nach „links und dann wieder links“ geschickt. Zum Ziel geführt hat uns dann unser logischer Menschenverstand, keinesfalls die Beschreibung der Securities. Die Parkplatzsituation war am Mittwoch in der Früh bei unserer Anreise noch ganz in Ordnung. Am Festivalgelände selbst hatten die Securities auch null Plan von ihrer Arbeit. „Wo finde ich das und jenes?“ – „Weiß ich nicht, such es halt.“ Danke für nichts! Einen Security muss ich jedoch loben, bei der Abreise hat er mich beim Schleppen meiner Sachen gesehen und mir dabei geholfen, Sack und Pack über die Stiegen rauf zu tragen.

Organisation

Generell fand ich das Festival schlecht organisiert. Ich habe mir im Nachhinein Reaktionen auf der Facebook-Veranstaltung durchgelesen, die waren zum Großteil sehr negativ. Seien es ein überfüllter Nightpark, in den man nicht mehr reinkommt, die Wasserpreise, Diebstähle oder falsch platzierte Absperrgitter – eine positive Bewertung kommt einem nur selten unter. Das mit den Absperrgittern finde ich besonders unüberlegt und gefährlich, es wurde ein Video gepostet, indem Menschenmassen eine Absperrung niederreißen, weil einfach zu wenig Platz für so viele Menschen auf einem Haufen war. Der Titel: „Habt ihr aus der Love Parade nichts gelernt?“. Ich bin froh, dass ich nicht in dieser Situation war, das Kommentar einer Besucherin sagt doch wirklich alles: „Ich habe gedacht, ich sterbe in der Menge“. Viele Besucher haben geschrieben, dass 200.000 Menschen für diesen Veranstaltungsort einfach zu viele sind und ich gebe ihnen Recht. Es handelt sich eben nicht um die Pannonia Fields in Nickelsdorf, auf denen nahezu unbegrenzt Patz ist, sondern um den Greenpark in Sankt Pölten.


Suderantin vom Feinsten?

Ja, ich suder gerne. In manchen Fällen ist es jedoch, denke ich, berechtigt. Ich habe aber nicht nur Schlechtes zu berichten. Das Festival-Feeling ist sehr wohl erlebenswert, die Bands, die ich mir angesehen habe, haben wirklich toll performt. Allen voran, mit meilenweitem Abstand: IMAGINE DRAGONS! Ohne Spaß, dieses Konzert lässt mich das ganze Negative beinahe vergessen. Es war einfach gigantisch, noch nie habe ich so ein tolles Konzert erlebt! Ich bin einfach grundsätzlich der Meinung, dass es sich 100 Mal mehr lohnt, sich Bands anzusehen, als sich vor einem DJ hinzustellen. Bei Imagine Dragons hatte ich wirklich Gänsehaut und das nicht nur einmal, dabei war ich vorher gar nicht der Riesen ID-Fan. Dennoch hat mich diese Band zu 110 % überzeugt. Außerdem hat mir die Stimmung der Leute am Bühnengelände gefallen. Man kennt sich nicht, aber man genießt die Musik einfach gemeinsam. Hört sich total kitschig an, ich hoffe aber, ihr wisst, was ich meine. Am Sonntag hatte ich außerdem das Glück, ganz spontan und unerwartet Josh mit seinem Sommerhit Cordula Grün zu hören! Meine Freunde wissen, wie sehr ich mich darüber gefreut habe haha, ich feiere dieses Lied! Aja und beim Heimfahren hat mir eine andere, fremde Festivalbesucherin einfach ohne Bitte meinerseits oder sonstiges geholfen, meine Sachen zu tragen – ja es war wirklich ein Haufen Gepäck, wie schon gesagt.

 


Abschlussworte

Nochmal werde ich so etwas vermutlich nicht machen, zumindest fix nicht am Campingplatz. Eine neue Erfahrung war es jedoch und diesen Punkt kann ich nun aus meiner „to do in my twenties“-Liste streichen. Von meiner Packliste habe ich übrigens das meiste tatsächlich gebraucht. Außer bei der Verpflegung, da haben wir maßlos übertrieben, ich glaube, wir hätten problemlos 4 Tage pausenlos essen können. Zuletzt noch eine Frage, um an den ersten Satz meines Beitrages anzuknüpfen… bin ich nun ein Festival Fan? Definitiv nein. Bin ich jetzt aber ein Imagine Dragons Fan? Definitiv ja!