… sie sind überall. Egal ob Kinder, Jugendliche, Erwachsene oder Pensionisten, ein Großteil unserer Gesellschaft besitzt heutzutage ein Smartphone. Vor einigen Jahren war das noch nicht so. Ich habe mit 10 Jahren mein erstes Handy bekommen. Es handelte sich dabei um das Nokia 3310 und ich habe es (soweit ich noch weiß) ausschließlich dazu verwendet, um meinen Eltern Bescheid zu sagen, wenn der Schulbus nicht gekommen ist. Heute haben – ich traue mich jetzt mal sagen – fast alle 11-jährigen ein besseres Smartphone als ich und kennen sich wahrscheinlich auch besser damit aus. In meinem Bekanntenkreis hat ein junges Mädchen erst mit 14 Jahren ihr erstes Smartphone bekommen und wurde deswegen in der Schule gehänselt und verspottet. Traurig, wenn man bedenkt, dass Smartphones eigentlich erst seit 10 Jahren auf dem Markt sind und eine Rolle in unserem Alltag spielen. Innerhalb von wenigen Jahren haben sie sich rasant zu einem für uns unverzichtbaren Gegenstand verwandelt.

Das erste iPhone

Am 9. Jänner 2007 stellte Steve Jobs das erste iPhone vor. Die Giganten Motorola, Nokia und Blackberry waren völlig überrumpelt von Jobs Entwicklung und hatten keine Alternative parat. Nur Google-CEO Eric Schmidt, der Aufsichtsratsmitglied bei Apple war, wusste von den Plänen und hat deshalb bereits 2005 das damalige Start-Up Android übernommen. Trotzdem kam erst Ende 2008 das HTC Dream, das erste Android-Smartphone, auf den Markt. 2009 veröffentlicht Samsung, der heutige Marktführer, sein erstes Gerät mit Android-Betriebssystem.


Smartphone: die gute Seite

Wollen wir heutzutage jemandem vorschlagen, auf sein Smartphone zu verzichten, wäre das wohl ein Vorschlag, der belächelt und schnell wieder vergessen wird. Warum? Ein Smartphone bietet uns viele Vorteile. Einige Beispiele: eine Kamera mit Top-Qualität immer mit dabei, ein Taschenrechner, eine Wetter-App, Erinnerungen und To-Do Listen, Kalender, Telefonbücher … jetzt stellt euch mal vor wir müssten immer eine Kamera, ein Thermometer, Telefonbuch, einen Taschenrechner, Buchkalender und Post-it‘s für Erinnerungen mit uns herumschleppen. Unsere Taschen wären sehr schwer. Ein Smartphone ist einfach praktisch. Nicht zuletzt dadurch, dass wir mit unseren Liebsten jederzeit in Kontakt bleiben können. Wir sind schnell und überall erreichbar und langweilig wird uns mit einem Smartphone auch nie. Der Vorschlag, auf ein Smartphone zu verzichten, ist also theoretisch so sinnvoll, wie einem Fischer das Boot wegzunehmen.

Smartphone lifewithnathalie


Die Sache mit der Langeweile

Wie war es eigentlich, als uns noch langweilig war? Was haben wir damals gemacht? Beim Heimfahren von der Schule im Zug oder Bus? Beim Warten auf eine Freundin, die zu spät kommt? Solche Momente kommen bei mir eigentlich nicht mehr vor, denn ich bin ein Mensch, der dann einfach sein Smartphone in die Hand nimmt. Und ich denke, damit bin ich nicht alleine, oder? Wenn wir irgendwo herumstehen, schauen wir auf Facebook und Instagram und scrollen dort durch den Newsfeed, versenden Fotos bei Snapchat, checken unsere E-Mails oder nutzen eine andere unserer unzähligen Apps. Langeweile gibt’s nicht mehr, der Zustand wurde ausgerottet wie die Pocken. Hört sich doch gut an, wem ist schon gerne fad?

Manchmal wünschte ich, mir wäre fad…

Immer öfter bemerke ich, dass mir irgendetwas fehlt. Es hört sich womöglich total schwachsinnig an, aber manchmal fehlt mir die Zeit, in der ich meine Gedanken schweifen lasse. In der ich einfach tagträumend ins Nichts starre. Heute mache ich das meistens nur dann, wenn mein Akku leer ist. Und jedes mal fällt mir auf, dass ich gerade in diesen Momenten die besten Ideen, sei es für Rezepte, Fotos oder Blogposts, habe und total kreativ werde. Auch die Idee für diesen Beitrag ist mir während einer Zeit gekommen, in der ich von meinem Akku verlassen wurde. So, ich komme auf den Punkt: ich bin ein Mensch, der sein Smartphone oft und gerne benutzt. Ich weiß aber auch, dass ein Smartphone nicht lebensnotwendig ist in manchen Situationen einfach nichts verloren hat.


Die Sache mit dem Zuhören

Hier ein Beispiel, für eine Situation, die mich unfassbar stört. Wenn man sich mit einer Person trifft, dann hat diese Person immer Vorzug. Ich finde es extrem unhöflich, wenn ich mitten in meinem Erzählfluss bin und mein Gegenüber plötzlich sein Smartphone nimmt und anderen auf WhatsApp antwortet. „Und was sagst du dazu?“ – ich weiß zwar, dass mein „Gesprächspartner“ absolut keine Ahnung hat, worauf ich mich beziehe, aber ein „ähm hm… ja stimmt“ bestätigt mir dieses Wissen dann. Und das ärgert mich noch mehr. Wenn man mir schon nicht zuhört, kann man doch wenigstens fragen, worum es eigentlich noch schnell geht. Ich finde es einfach störend, wenn das Handy meines Gegenübers dauernd läutet oder/und vibriert. „wrrrrt wrrrrt“ – man muss gar nicht erst darauf reagieren, das Läuten bzw. Vibrieren stört mich schon genug. Deshalb schalte ich mein Handy meistens lautlos, wenn ich mich mit Leuten treffe. Denn seien wir ehrlich, das Gesumme und Geläute ist ablenkend.


Gesundes Smartphone-Verhalten

Natürlich muss ich das, was ich von anderen erwarte, auch selber vorleben. Möchte ich, dass mein Gegenüber mir zuhört, statt in sein Smartphone zu gaffen, dann darf auch ich nicht auf meines schauen. Ist mir dieser Anruf jetzt so wichtig, oder höre ich doch lieber meinem Gesprächspartner zu, der mir gerade gegenüber sitzt? Muss ich für die 10 Minuten, in denen ich auf meine Freundin warte, die zu spät kommt, wirklich sofort mein Smartphone aus der Tasche holen? Muss ich wirklich immer und überall erreichbar sein? Ganz egal, wie du diese Fragen für dich beantwortest, eines sollten wir jedenfalls nicht vergessen:

Leben ist das, was an uns vorbeizieht,
während wir auf unser Smartphone schauen.