Jeder kennt sie, die Phasen im Leben, in denen es einfach nicht rund läuft. Man ist dauergenervt, alles bringt einen zur Weißglut, man möchte sich am liebsten den ganzen Tag unter der Decke verkriechen und das Haus nicht verlassen. Der Schuh drückt an jeder Stelle. Was wir in diesen Situationen oft vergessen? Jeder ist seines Glückes Schmied – beziehungsweise seines bequemen Schuhes Schuhmacher. Natürlich gibt es Situationen, die sich nicht beeinflussen lassen und gegen die wir nichts tun können, um wieder besser gelaunt zu sein. Von denen spreche ich aber nicht. Ich meine jene Situationen und Phasen, die sich sehr wohl von uns lenken und beeinflussen lassen. Die Tatsache, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist, ist für mich keine große Neuigkeit. Ich denke, genau deshalb fällt es vielen von uns auch so schwer, Dinge zu ändern. Wir haben regelrecht Angst vor Veränderungen und entscheiden daher in den meisten Fällen, uns mit etwas abzufinden, dass zwar nicht hundertprozentig passt, mit dem man aber dennoch „ganz gut leben“ kann. Doch was passiert, wenn man einen drückenden Schuh zu lange anlässt? Richtig, wir bekommen Blasen. Die tun weh und hindern uns am Vorankommen.

Ganz gut damit leben können?

Klar können wir auch mit unbequemen und drückenden Schuhen weiterlaufen. Aber was, wenn man mit neuen Schuhen viel besser vorankommt? Und was, wenn wir nur nicht den Mut haben, unsere Komfortzone zu verlassen und uns diese neuen Schuhe anzuziehen? Ich denke, ihr habt schon verstanden, dass Schuhe natürlich nur als Metapher gemeint sind. Ganz egal ob bei „Freunden“, die sich über die Zeit hinweg irgendwie entfremdet haben und mit denen man aber weiterhin gezwungenermaßen Kontakt hält oder der Arbeitsplatz, der einen nicht erfüllt und Spaß macht. Was haben wir davon, an diesen Dingen festzuhalten? Nichts. Wirklich gar nichts. Irgendwann befinden wir uns in einer Abwärtsspirale. Und zwar in einer Abwärtsspirale, aus der man so schnell nicht mehr herauskommt.

 Eine Veränderung muss her  

Früher oder später bemerken wir aber, dass unser Glück und unsere Komfortzone nicht in der gleichen Straße wohnen. Nein, sie haben nicht mal die gleiche Postleitzahl. Es ist an der Zeit, ernsthaft darüber nachzudenken, ob man eine Seite umblättert oder das Buch schließen möchte. Es ist an der Zeit nachzudenken, ob man das hundertste Blasenpflaster verwenden oder sich endlich neue Schuhe zulegen möchte. Kurz: es ist Zeit für eine Veränderung. Natürlich bringen große Veränderungen auch Unsicherheit und Angst mit sich. Der alte Schuh passt zwar nicht mehr, der neue ist aber doch noch zu groß. Alles richtig, aber wie lange wollen wir denn noch warten? Das Flüstern der Stimme im Hinterkopf („mach doch endlich, tu etwas, trau dich“) hat sich mittlerweile in ein lautes Schreien verwandelt, das sich unmöglich ignorieren lässt.

Wurde ich in den letzten Jahren gefragt, was ich von Veränderungen halte, war meine Antwort ganz klar: die hasse ich! Ich bin noch immer kein großer Fan davon, da ich mich aus der Gattung der Gewohnheitstiere einfach nicht ausnehmen kann. Aber Veränderungen sind eben nicht nur wichtig, sondern irgendwann auch unvermeidlich. Ganz egal ob eine Veränderung im persönlichen, familiären oder beruflichen Umfeld – wir wachsen mit jeder unserer getroffenen Entscheidungen und Veränderungen.

Was wird sich Person XY dann bloß denken?!

Eine Frage, die ich mir leider viel zu oft gestellt habe. Mir war es immer wichtig, was Leute von mir denken. In den vergangenen Monaten habe ich diese Einstellung aber geändert, denn ich habe festgestellt, dass nur eines zählt. Und zwar ob ich selbst glücklich bin. Wenn dies der Fall ist, warum sollten wir uns dann mit dieser Frage herumquälen? JA, wenn wir als Person wachsen, dann verändern wir uns. JA, das wird nicht jedem gefallen. Und JA, das ist völlig egal, solange wir glücklich sind. Wer werden wir sein, wenn wir unser Leben oder berufliche Situation verändern? Das können wir vorher leider nicht wissen. Fest steht lediglich eines: wir werden nicht mehr so sein wie vorher. Vielleicht findet Person XY diese Veränderung unangemessen, naiv oder unverständlich. Kann uns wurscht sein! Es soll und darf nie unser Ziel sein, es den anderen Recht zu machen, wir leben unser Leben nicht für die anderen, sondern für uns selbst. Und bekanntlicherweise haben wir alle nur ein Leben. Also sollten wir das tun, was uns glücklich macht und nicht, was vielleicht am besten/sinnvollsten/klügsten ist!

I am too busy working on my own grass to notice if yours is greener.

 

Sich wachsen trauen

Natürlich verändert sich vieles, wenn wir uns wachsen trauen. Und wir können vorher nicht wissen, was passieren wird. Ändert sich der Freundeskreis? Finde ich wieder einen guten Arbeitsplatz? Wo soll ich nun hin? Eines dürfen wir nicht vergessen: wir können diese Fragen zwar nicht sofort beantworten, wir haben aber trotzdem Einfluss auf die Antwort. Denn wir sind immer noch Herr unserer eigenen Einstellungen, Handlungen und Gedanken. Wenn wir uns wachsen trauen, bedeutet das automatisch, dass wir über uns selbst hinauswachsen werden. Es entsteht etwas Neues. Etwas, das vorher noch nicht da war. Wir lassen unsere Ängste, Zweifel und Bedenken hinter uns und werden neue Ufer finden, an denen wir anlegen können und möchten. Manchmal früher, manchmal später.

Wir werden in unsere neuen Schuhe hineinwachsen und irgendwann sind wir stolz, dass sie uns nun perfekt passen. Mit diesen Schuhen starten wir in einen neuen Abschnitt, in dem wir glücklicher sein werden. Klar kann es sein, dass wir am Anfang noch ein paar Blasen bekommen, das haben neue Schuhe eben so an sich. Oder denken wir mal an Aschenputtel, die hat ihren neuen Schuh sogar verloren, weil er ihr anscheinend noch zu groß war. Dies hat sie aber nicht daran gehindert, sich für ein neues Leben und ein neues sie-selbst zu entscheiden. Denn sobald wir die neuen Schuhe gewöhnt und lange genug eingegangen sind, werden wir sie nicht mehr ausziehen wollen, denn sie bringen uns voran. Und wenn wir schließlich das Gefühl haben, wir gehen wie auf Wolken, dann wissen wir, dass wir alles richtig gemacht haben. Jede Entscheidung und jede Veränderung ist genau so passiert, wie sie passieren hat müssen.

Alles ist wieder gut, der Schuh drückt nicht mehr.