Über ein Jahr ist vergangen, seitdem ich hier den letzten Post veröffentlicht habe. Corona is still going on. Wie man unschwer erkennen kann, bereitet mir dieses Medium nicht mehr allzu viel Freude. Ich habe mich aber dazu entschlossen, den Blog erstmal weiterbestehen zu lassen, da einige Beiträge großes Interesse finden. So zum Beispiel mein Harry Potter Monopoly-Beitrag, der seit der Veröffentlichung über 20.000 Mal geklickt wurde.

Was ist im letzten Jahr passiert?

Nach einer ersten Reaktion voller Panik, des ununterbrochenen Nachrichtenlesens, des ungläubigen Staunens über alle Auswirkungen der Corona-Krise haben sich bei den meisten von uns die aufgewühlten Gedanken und Gefühle wieder etwas setzen können und man hat erkannt, dass das Leben weitergehen muss. Ein anderes Leben als vorher, das ist klar. Ich bin mir bewusst, dass ich diese Krise in einer sehr privilegierten Lage „überstanden“ habe – es hat unglaublich viele Menschen sehr hart getroffen. Dennoch habe ich mir irgendwann im Laufe des letzten Jahres erlaubt, mich teilweise selbst zu bemitleiden. Hätte ich das nicht gemacht, hätte es mich vermutlich irgendwann zerrissen.

Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht komplett im Selbstmitleid versunken, ich habe mir lediglich erlaubt, auszusprechen, dass es mir auch nicht sonderlich gut geht. Ich bin von der Krankheit verschont geblieben, habe keinen nahen Angehörigen verloren, habe meinen Job behalten, habe ein Dach über dem Kopf (sogar ein neues, da ich im letzten Jahr umgezogen bin) – klingt alles super und das war es natürlich auch – ich sagte ja bereits: sehr privilegierte Lage. Aber trotzdem ging es mir nicht gut. Mit dem neuen Jahr und den immer wiederkehrenden Lockdowns war die Gefühlslage ein ständiges Auf und Ab.

Langsam hat sich aber alles wieder normalisiert und „das Leben von vorher“ hat begonnen, leicht durchzuschimmern. Mittlerweile habe ich, so wie meine ganze Familie und ein Großteil meiner Freunde, die erste Impfung erhalten. Ich bin wirklich zuversichtlich, dass es nun wieder in Richtung Normalität geht.

Corona Update - Life with Nathalie

Back to normal?

Nächste Woche besuche ich ein Fußballspiel, 1000 Tickets wurden verkauft – mein erster Gedanke war: „Ich weiß echt nicht mehr, wann ich zuletzt mehr als 30 Personen auf einem Fleck gesehen habe“. Ich kann mir derzeit noch nicht vorstellen, auf einem Festival mit Tausenden von Personen zu sein. Ehrlich gesagt finde ich sogar die Vorstellung eines örtlichen Feuerwehrfestes mit nur ein paar Hunderten Besuchern schon irgendwie „verrückt“. Natürlich freue ich mich, dass das Leben nun wie vorher weitergeht, das mulmige Gefühl wird aber vermutlich noch etwas bleiben.

War alles schlecht?

Ich denke, dass diese Krise unglaublich dazu beigetragen hat, persönlich zu wachsen. Vor der Corona-Pandemie war ich beinahe jeden Tag am Flug, ich habe zuhause gewohnt, es war immer jemand um mich herum. Und das mochte ich, allein sein war einfach nicht mein Ding. FOMO – fear of missing out – das hatte ich wirklich. Ich wollte einfach nichts verpassen, überall dabei sein, alles erleben. Dies hat sich im letzten Jahr auf jeden Fall geändert. Ich habe gelernt, das Alleinsein zu genießen und bin dadurch sehr viel selbstständiger geworden. Dinge, für die ich früher Hilfe gebraucht habe beziehungsweise aufgrund der Tatsache, dass immer jemand da war, nicht mal in Erwägung gezogen habe, selber zu machen … tja, die mache ich nun ohne irgendwie zu überlegen selbst.

Ich habe die Zeit mit Familie und Freunden noch mehr wertschätzen gelernt und natürlich auch gemerkt, dass Gesundheit einfach das wichtigste ist. Das letzte Jahr war auf jeden Fall ein Jahr der Entschleunigung und des Realisierens, dass FOMO schnell zu JOMO werden kann – joy of missing out. Ich muss nicht überall dabei sein, freue mich aber natürlich dennoch auf einen Sommer, indem der Terminkalender wieder etwas voller ist und man mehr unternehmen kann als in den vergangenen Monaten.

Vielleicht lesen wir uns bald wieder, bis dahin: bleibt’s g’sund.