Zu Beginn eine Info vorab: es wird dieses Monat kein Life Update geben, da im September einfach fast nichts passiert ist. Ich war zwar in Hamburg, habe über die Reise aber schon zwei eigene Beiträge verfasst. Diese findet ihr hier (Travelguide) und hier (Foodguide). Über den kommenden Oktober habe ich dann hoffentlich wieder mehr zu berichten. So, jetzt aber zum eigentlichen Thema, girlboss …

 

#girlboss

… diesen Hashtag sehe ich in letzter Zeit sehr oft. Geprägt wurde dieses Wort durch das Buch #Girlboss von Sophia Amoruso, der Gründerin vom Onlineshop-Riesen Nasty Gal. Vor kurzem erschien die gleichnamige Serie auf Netflix, die auf Amorusos Autobiografie basiert. 7.648.424 Fotos  (Stand 26.09.17) wurden auf Instagram bereits mit diesem Hashtag versehen. Darauf zu sehen sind vor allem, na no na net, Frauen – egal ob am Arbeitsplatz, im Fitnessstudio oder sitzend in einem Restaurant – und Motivationssprüche. Die Frauen, die man auf den Bildern sieht, sind meistens jung, ehrgeizig, bereit, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und für ihre Ziele zu arbeiten.

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Was ich unter #girlboss verstehe:

Ein Girlboss ist in meinen Augen selbstständig und erfolgreich mit ihrem eigenen Unternehmen. Frauen, die ihr eigenes Ding machen, keine Angst vor irgendwas und ihr eigener Boss sind. Diese inhaltliche Bedeutung finde ich grundsätzlich gut, denn dadurch werden viele junge Frauen motiviert. Frauen, die hingegen gerade einkaufen sind und ihre Sackerl selber tragen, sind in meinen Augen kein #girlboss, sondern einfach Frauen, die einkaufen gehen und ihren Einkauf selber tragen. Studentinnen, die gerade eine Arbeit abgegeben haben, sind kein #girlboss für mich, sondern einfach Studentinnen, die das tun, was sie eben tun müssen. Blöde Beispiele, aber ich hoffe ihr wisst, was ich meine.

Girlboss – was genau steckt hinter diesem Wort?

Es gibt bei diesem Hashtag einige Dinge, die mir nicht ganz klar sind, bzw. die ich für total schwachsinnig halte. 1. Geht man mit dem Wort Girlboss nicht automatisch davon aus, dass Chefs normalerweise nur Männer sind? Da an das Wort „boss“ das „girl“ vorne drangehängt wird, wirkt es für mich so, als ob man es extra betonen muss, dass auch Frauen „Chefs“ sein können. 2. Mal abgesehen davon kann das Wort „Boss“ gar nicht gegendert werden. Es kann also auch ohne das Zufügen von „girl“ für Männer und Frauen gleichermaßen verwendet werden. 3. Hast du schon mal den Hashtag #boyboss gesehen? Hört sich doch total bescheuert an und niemand würde diesen Hashtag setzen.

Warum dann also GIRLboss? 4. Was versteht ihr unter dem Wort „girl“? Im Gegensatz zum Wort „woman“, das ich mit einer erwachsenen Frau, die mit beiden Beinen fest im Leben steht, ihre Ziele klar vor Augen hat und genau weiß was sie will, verbinde ich persönlich das Wort „girl“ eher mit einem jungen und unerfahrenen Mädchen. Frauen, die in Unternehmen erfolgreich Chefpositionen besetzen, sind für mich einfach keine „girls“.

Nicht falsch verstehen, ich möchte damit nicht sagen, dass junge Mädchen ihr Leben nicht ebenso im Griff haben können. Ich für meinen Teil kann ganz klar sagen, dass ich mich derzeit auch noch in einer Phase der mentalen und emotionalen Entwicklung befinde und würde mich also im Augenblick als gir-man bezeichnen, haha. Das eine Bein steht fest im Leben, das andere Bein weiß noch nicht so ganz, wo es sich hinstellen soll und vor allem nicht, wo es sich hinstellen will.

Ein sich häufendes Problem…

Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Arbeitsweisen, die gefühlt 98,5 % aller Unternehmen führen, sind mehr als veraltet. Sie passen einfach nicht mehr zu unserem heutigen Stand der Dinge. Junge, motivierte, kreative und technisch versierte Frauen (ich beziehe mich jetzt mal auf Frauen, natürlich geht es aber auch Männern so) treffen oft auf Arbeitgeber, die genau das Gegenteil darstellen. Leider kommt es so meistens dazu, dass man genau diese Frauen als uninteressiert und faul wahrnimmt. Dabei haben sie einfach nicht genug Raum, ihre Kreativität und Energie auszuleben. Und genau das ist die Geburtsstunde des Hashtags #girlboss. Sich trauen, sein eigenes Ding durchzuziehen, keine Angst haben. Nicht auf die (abwertende) Meinung anderer achten, ganz nach dem Motto „Das schaffst du ja sowieso nicht, suche dir lieber einen sicheren Job.“

Warum ich kein #girlboss bin

Also erstens: ich führe kein eigenes Unternehmen und bin deshalb auch nicht mein eigener Chef. Nur weil ich mit vollem Einsatz hinter einer Sache stehe (wie zum Beispiel dieser Blog), würde ich mich noch lange nicht als Girlboss bezeichnen. Es gibt aber noch einige andere Unterschiede: extreme Veränderungen sind mir nicht immer willkommen, ich habe manchmal sehr wohl Angst und wo ich hinwill – tja, das weiß ich, wie bereits gesagt, auch nicht so genau. Ich bin nicht die stärkste und taffste Persönlichkeit. Ich kann beides: manchmal bin ich extrovertiert und tough, manchmal bin ich aber auch die Introversion selbst. Nehme mir Kleinigkeiten viel zu sehr zu Herzen und kränke mich über Dinge, die mich eigentlich gar nicht so sehr treffen dürften.

Was bin ich dann?

Nicht #girlboss, aber eine interessierte, motivierte und kluge Frau. Ich weiß zwar nicht so genau, was ich will, ich weiß aber, was ich nicht will. Ich habe Gefühle und bin nicht bereit, diese zu verstecken, nur um stark zu wirken. Mit der Angst vor Veränderungen kann ich leben, solang diese Angst nicht die Überhand nimmt. Ich bin bereit, für Dinge, die ich erreichen möchte, hart zu arbeiten. Aus Ziegeln, die mir in den Weg gelegt werden, baue ich mir ein Weinregal. Ich gewinne selbst an Höhe, wenn ich anderen aufhelfe. Ich kenne meinen Wert und glaube an mich selbst.

Bin ich ein Girlboss?


Und zuletzt noch meine Meinung zur Serie auf Netflix. Mir hat die Serie zwar grundsätzlich gefallen, was ich aber schade finde ist, dass die wirklich schlechten Seiten der Geschichte schlicht und einfach nicht gezeigt werden. Ich habe ein wenig nachgeforscht und siehe da: so perfekt ist auch Amorusos Geschichte nicht. Sie war zwar erst 30 Jahre alt, als sie bereits über 300 Millionen Dollar Umsatz machte, zwei Jahre später war der schöne Traum aber schon wieder vorbei. Sie wurde von ihrem Mann verlassen und Nasty Gal meldete Insolvenz an. Wegen ihres Führungsstils stand Amoruso mehrfach in der Kritik, es gab mehrere Klagen gegen das Unternehmen.

Unter anderem von Angestellten, die sagten, sie wurden gekündigt, als sie schwanger wurden. Zu diesen Vorwürfen hat die Unternehmerin nie öffentlich Stellung bezogen. Auch über die Insolvenz von Nasty Gal sprach sie erst kurz vor dem Start der Netflix-Serie ausführlicher. In einem professionell inszenierten Text in der Modezeitschrift InStyle rechtfertigte sie sich nicht, sondern platzierte erneut ihr Image als professionelle, starke Geschäftsfrau, die ein neues Unternehmen und einen neuen Mann hat. (Quelle: hier)